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Erinnerung an Kirchenpräsident Helmut Hild

EKHNKirchenpräsident Helmut Hild

Vor 20 Jahren verstarb am 11. September 1999 mit 78 Jahren der dritte Kirchenpräsident der EKHN – Helmut Hild. Zu seinen Ehren wurde 2001 das Gebäude benannt, in dem das Zentralarchiv und die Zentralbibliothek der EKHN gemeinsam untergebracht sind.

Zur Person

Helmut Hild wurde am 23. Mai 1921 in Weinbach/Oberlahn als Sohn eines Pfarrers geboren. Bereits mit 16 Jahren legte er in Weilburg sein Abitur ab, absolvierte ab 1938 seinen Reichsarbeitsdienst in Montabaur und war im Zweiten Weltkrieg Soldat in Russland und Italien. 1943 schloss er sich dem Bund christlicher Offiziere um den Generalmajor Hans Graf von Kanitz an. Im Sommer 1945 wurde Hild aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Er studierte anschließend in Marburg Theologie, unter anderem bei Rudolf Bultmann und Paul Tillich. Nach dem Besuch der Theologischen Seminare in Herborn und Friedberg und einem Lehrvikariat in Limburg wurde er 1951 in Westerburg durch Propst Karl Herbert ordiniert. Zunächst als Pfarrverwalter tätig, wurde er 1954 zum Pfarrer ernannt. 1957 wechselte er auf die zweite Pfarrstelle in Frankfurt-Unterliederbach und übernahm drei Jahre später das neu errichtete Pfarramt für Öffentlichkeitsarbeit bei den Dekanaten in Frankfurt am Main. 1964 wurde er zum Vorsitzenden des Evangelischen Gemeindeverbandes Frankfurt gewählt. Zugleich war er Pfarrer an der Luthergemeinde in Frankfurt ohne eigenen Seelsorgebezirk. Seiner Zeit voraus erkannte er die Möglichkeiten der Kirche in Rundfunk- und Medienarbeit und war im Radio und im Fernsehen aktiv – außerdem einer der Mitinitiatoren der Evangelischen Telefonseelsorge, des Frankfurter evangelischen Kulturgesprächs und der täglichen Kurzandachten in der Katharinenkirche.

Als Kirchenpräsident Wolfgang Sucker Ende 1968 plötzlich verstarb, wählte die Kirchensynode der EKHN überraschend Helmut Hild im März 1969 zum Nachfolger, denn über die Grenzen Frankfurts hinaus war er zu diesem Zeitpunkt kaum einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Seine Amtsperiode als Kirchenpräsident (1969-1985) steht für eine Wendezeit, einen Wechsel der Generationen und Standorte. Der „Andreas-Bote“ in Frankfurt-Eschersheim versuchte folgende Einordnung: „Nach Martin Niemöller und Wolfgang Sucker nun Helmut Hild – heißt das soviel wie nach ‚links von der Mitte‘ und ‚rechts von der Mitte‘ nun die Mitte schlechthin?“.

In Hilds Amtszeit fiel 1970 der sehr umstrittene Beschluss der EKHN-Kirchensynode zur Unterstützung des Sonderfonds des Anti-Rassismus-Programms des Ökumenischen Rates der Kirchen mit dem Betrag von 100.000 DM. Aus jeweils gegebenem Anlass folgten Diskussionen über die Unvereinbarkeit des Pfarrberufs mit einer Mitgliedschaft in der DKP sowie der Konflikt um den Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Helmut Hild war von seiner Natur her in diesen heftigen Auseinandersetzungen sehr auf Positionen des Ausgleichs bedacht. Neben seinem Amt als Kirchenpräsident übte er Funktionen in verschiedenen Gremien der EKD aus, so war er von 1971 bis 1977 Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags und wurde 1973 zum stellvertretenden EKD-Ratsvorsitzenden gewählt. 1976 wurde er als Kirchenpräsident der EKHN in seinem Amt bestätigt.

Sein Leben lang plagte ihn wegen der Beteiligung an den Kriegshandlungen ein Unrechtsbewusstsein. Vor der Synode der EKD bekannte Hild 1984 öffentlich seine persönliche Verantwortung und seine persönliche Schuld. Ausdruck dieser Betroffenheit ist sein Engagement für Frieden und Völkerverständigung. Helmut Hild reiste als Kirchenpräsident der EKHN und Mitglied des Rates der EKD mehrfach nach Polen und in die Sowjetunion und übernahm unter anderem 1974 den Vorsitz des neu gegründeten Kontakt-Ausschusses zwischen der EKD und dem Polnischen Ökumenischen Rat der Kirchen. Hild setzte sich auch außerhalb der Kirche für eine Politik der Versöhnung der Bundesrepublik mit den Ländern in Osteuropa ein und trat öffentlich für die Ostpolitik Willy Brandts und für die Ratifizierung der Ostverträge ein.

Zum Nachlass

Im Archivwesen betrachtete Helmut Hild sich selbst als interessierten Laien. Da er sich persönlich aber für die Geschichte seiner nassauischen Heimat sehr interessierte, war er sich der Bedeutung von Archiven gerade im kirchlichen Bereich bewusst. Für ihn war die Kirche „ohne Bewegkraft ihrer Geschichte ein corpus ohne Beine“.

Hild beließ es nicht bei theoretischen Überlegungen, noch zu seinen Lebzeiten übergab er den größten Teil seiner Korrespondenz an das Zentralarchiv der EKHN. Die Unterlagen wurden geordnet und in einem Findbuch archivisch erschlossen. Der Archivbestand 94, Nachlass Helmut Hild, kann im Lesesaal des Zentralarchivs von interessierten Forscherinnen und Forschern eingesehen und benutzt werden. Neben persönlichen Dokumenten sowie Manuskripten enthält dieser Archivbestand große Teile der Korrespondenz aus Hilds Zeit als Kirchenpräsident und beleuchtet damit gleichzeitig 16 unruhige facettenreiche Jahre aus der Geschichte der EKHN, aber auch der EKD, galt er doch in den 1980er Jahren als einer der profiliertesten Sprecher des deutschen Protestantismus.

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